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Oh wie schön ist Panama

Paradiesisch, oder?

Aufbruchsstimmung liegt in der Luft. Diese positiv nervöse Zeitspanne, die etwa eine Stunde vor Erreichen der nächsten Destination beginnt. Ich bin gerade mitten in meiner Frühschicht an der Rezeption und versuche immer wieder einen Blick nach draußen zu erhaschen. Wenn gerade niemand da ist und ich bis ans Ende des Desks gehe, kann ich am besten über die großen Schiffsaugen nach draußen schauen. Ich sehe dieses wunderschöne türkisfarbene Meer. Wir sind in Mittelamerika. Es ist mein zweiter Schiffsvertrag und mein erstes Mal in der Karibik. Wir sind rund um Panama unterwegs. Oh wie schön ist Panama. Der Panamakanal, Colón, San Cristobal und heute San Blas.

San Blas ist ein wunderschönes Insel Archipel. Das Paradies wie es im Buche steht und genauso wie man es sich in seinen Träumen vorstellt. Türkises Meer, Palmen, kleine Inseln, kaum Menschen*, weißer feiner Sandstrand.

So stehe ich also an der Rezeption und verfolge über „radio“ (das Funkgerät, das zur Kommunikation an Bord genutzt wird) die Vorbereitungen für die Tender Operation. Die Inseln sind sehr klein und haben keine Anlegeplätze, die für Kreuzfahrtriesen geeignet sind. Daher werden Tenderboote genutzt, um an Land zu gelangen. In diesem Fall sind die Tenderboote die schiffseigenen Rettungsboote, die abwechselnd von den Decksoffizieren gefahren werden. Hin und her, den ganzen Tag. Passagiere hin – Passagiere zurück. Crew hin – Crew zurück.

Tender Operations Island View

Wir erreichen die Ankerposition. Das herunterlassen des Ankers ist spür- und hörbar. Bald geht es los. Das Paradies eröffnet sich uns. Wir können es in der Ferne schon sehen. Ebenso entdecken wir kleine Holzboote, die von der Insel nah an die Schiffsseite heranfahren. Die Passagiere beginnen Essen herunterzuwerfen. Das ist aus unterschiedlichsten Gründen verboten. Der Kreuzfahrtdirektor gibt es in 5 Sprachen durch und ermahnt die Gäste damit aufzuhören. Man mag im ersten Moment denken, dass es sehr gütig von ihnen ist und sie den Menschen helfen. Das ist sicher auch ihre Absicht. Aber ist es nicht in gewisser Weise auch sehr arrogant und ignorant? Das Ganze von der Ferne beobachtend hat es für mich irgendwie etwas von „Tiere füttern“. So von oben herab. Irgendwann hören sie damit auf. Die Tenderboote werden heruntergelassen und die ersten Passagiere strömen auf die Hauptinsel des Archipels: El Porvenir. Das mit dem *kaum Menschen ist spätestens jetzt vorbei.

12:00 Uhr. Endlich ist meine erste Teilschicht vorbei und auch ich kann auf die Insel. Inselrundgang und am Strand entspannen. Genau das Richtige. Der Inselrundgang ist ziemlich schnell vorbei, denn El Porvenir ist sehr klein. In einer halben Stunde habe ich alles gesehen. Die traditionellen Häuschen, die bunten handgemachten Souvenirs, die die Menschen verkaufen und den kleinen Flugplatz. Die Kuna (die Einwohner) haben es geschafft den Massentourismus einzudämmen und die Zuströme zu kontrollieren, sodass sie sich ihre Inseln ursprünglich erhalten und ihre Traditionen pflegen können.

Isla El Porvenir, San Blas, Panama

Wer die Menschen fotografieren möchte, muss $ 1 pro Bild zahlen. Ich sehe wie die Passagiere versuchen sie heimlich von weitem zu fotografieren. Unfassbar. Seriously? Ist ein $ 1 zu viel verlangt? Zu viel für die Verletzung der Privatsphäre, zu viel für das Verhalten wie in einem Zoo? Wie würden sie reagieren, wenn es umgekehrt wäre? Würden wir nicht durchdrehen, wenn wir bemerkten, dass jemand Fremdes heimlich ein Foto von uns machen würde? Einige Gäste weise ich freundlich darauf hin, dass sie doch der Bitte der Einheimischen nachkommen mögen. Das Mindeste.

Ich gehe ans andere Ende der Insel, wo ich fast ganz für mich sein und alles auf mich wirken lassen kann. Am Strand zwischen Palmen und Grün setze ich mich und blicke auf das Meer, das Panorama mit der Lirica im Hintergrund und genieße einen Moment Stille und Wärme.